Von Analogkäse über Kunstschokolade bis zu Mogelschinken: Lebensmittelimitate –auch Analog-Lebensmittel genannt- sind in Verruf geraten. Dabei haben sie eine lange Tradition, manches Imitat ist mittlerweile sogar beliebter als das Original.
Auch die aktuellen Streitprodukte Formfleisch und Analog-Käse können heute schon auf eine gewisse Tradition bis zurück in die Neunziger Jahre blicken. Sie werden vor allem in der Gastronomie, zum Beispiel als Pizzabelag genutzt. Auch in im Meeresfrüchtesalat werden künstlich gepresste Garnelen aus Fischeiweiß verwendet, japanischer Meerrettich wird durch Algenkonzentrat ersetzt, statt Putenfleisch im Putensalat wird Puten- und Hähnchenformfleisch benutzt oder statt Erdbeerjoghurt gibt es Joghurt mit Erdbeeraroma und Fruchtstücken von günstigeren Beeren. Dabei sind Lebensmittelimitationen keine Frage der Marke. Unter den öffentlich angeprangerten Produkten befinden sich auch namhafte Nahrungsmittelhersteller.
Lebensmittelimitate kopieren also ein Originalprodukt ohne Verwendung der üblichen und originalen Zutaten zu einem günstigeren Herstellungspreis. Solange die Inhaltsstoffe auf der Packung korrekt angegeben werden, ist dies auch erlaubt. Verbraucherschützer kritisieren derartige Schummelware dennoch. Sie vermuten die offenkundige Absicht, leichtgläubige Kunden über die wahre Natur des Produkts täuschen zu wollen. Denn der Gesetzgeber hat zwar bestimmte Bezeichnungen geschützt. So muss Schafskäse drin sein, wo Schafskäse draufsteht. Es spricht jedoch nichts dagegen, das Ersatzprodukt „Hirtenkäse“ zu nennen oder einen griechischen Bauern auf der Packung abzubilden.
In bestimmten Fällen schon. So erkennt man normalen Kochschinken an der natürlichen Wuchsrichtung im Muskelfleisch. Formschinken hingegen bestehen aus einer oft schnittfesten und geleeartigen Masse, die aus kleinsten und manchmal sichtbaren Fleischstückchen zusammengesetzt sind. Analog-Käse dagegen ist meist in Geschmack, Aussehen und Konsistenz nicht vom Original zu unterscheiden.
Grundsätzlich nicht. Den Produkten fehlen jedoch die natürlichen Stoffe des Originalproduktes wie Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralstoffe, die durch künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und künstliche Farbstoffe ersetzt werden. Verbraucherschützer befürchten zudem eine zu hohe Aufnahme dieser Ersatzstoffe und einen allgemeinen Qualitätsverlust. Veganern und Milchallergiker bieten Lebensmittelimitate jedoch Vorteile, da natürlicher Käse für Sie in der Regel tabu ist. Für endgültige Rückschlüsse fehlt es noch an wissenschaftlich fundierten Langzeitstudien.
Was tut der Gesetzgeber gegen offensichtliche Täuschungsversuche?
Die Behörden sammeln zwar schon seit Jahren eifrig Daten. So erhebt etwa das Bayerische Landesamt für Gesundheit seit 15 Jahren akribisch den durchschnittlichen Fleischgehalt, der nach ihren Zahlen seit 1993 von rund 82 Prozent auf teilweise unter 50 Prozent in den vergangenen Jahren gesunken ist. Spitzenreiter war ein Schinken aus dem Jahr 2007, der nur noch einen Fleischanteil von 38 Prozent aufwies. Getan hat sich bislang jedoch wenig. Verbraucherschützer fordern deshalb neben schärferen Gesetzen, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen.
Verbraucherschützer empfehlen deshalb, genau auf die Zutatenliste der Nahrungsprodukte zu achten.